Samstag, 17. Januar 2026

Stricken an einem ungewöhnlichen Ort

Strick-Kino – einer der wohl angesagtesten Trends
aus Skandinavien hat mittlerweile auch Deutschland überrollt. Es ist ein Phänomen, das vom roten Faden lebt – das eine wortwörtlich, das andere erzählerisch. Gerade wenn es einem nicht leichtfällt, sich mit fremden Menschen, die gemeinsam eine Leidenschaft teilen, zu vernetzen, ist solch ein Strick-Event im Kino echt entspannend. 

Man könne auch von „Socializing durch die Stricknadel“ sprechen, formulierte es Basir Najimi vom filmriss Kino. Gemeinsam mit seinem Team hatte er im vergangenen Jahr dieses „wollig-cineastische“ Event erstmalig an den Start gebracht und direkt einen Volltreffer erzielt. „Das Strick-Kino ist eine tolle Möglichkeit neue Zielgruppen anzusprechen und Communitys zusammenzubringen“, erklärte er. Hinzu käme, dass bei solch einer Veran-staltung Generationen miteinander verbunden würden und das Geschlecht oder die Herkunft in keinster Weise eine Rolle dabei spielen würde Gerade die Corona-Zeit, so sagte er, hätte die Handarbeit als Hobby wieder salonfähig gemacht. Nicht zuletzt, weil auch junge Menschen wieder zunehmend Freude am Stricken, Häkeln und Co. hätten und manch hippe Strick-Designs, die sie über Social Media verbreiteten würden, regelrecht viral gingen. „Handarbeit erlebte in den letzten Jahren einen wahren Boom.“ 

Nach der großartigen Resonanz auf das erste Strick-Kino gab es kürzlich nun die Fortsetzung. Und auch diese startete mit einem Tässchen Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen, bevor wenig später dann der Film „Das Leben der Wünsche“ mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle über die Leinwand flimmerte. 
Dabei ging es um einen unauffälligen Angestellten der darunter leidet, dass er von allen übersehen wird. Als er sich auf einen teuflischen Pakt einlässt, gehen seine Wünsche plötzlich in Erfüllung. Doch sein mephistohafter Wohltäter wartete bereits darauf, Bilanz zu ziehen. Der Film von Erik Schmitt entfaltete als moderne Parabel ein Spiel zwischen Realität und Utopie, in dem Versu-chung, Image und Selbstverlust thematisiert wurden und stellte sich den grundlegenden Fragen nach menschlicher Sehnsucht, dem Preis von Erfolg und der Illusion erfüllter Wünsche. 

Es war ein nicht zu komplexer Film, damit die Gäste der Handlung auch beim Stricken folgen konnte. Strick-Kino bedeute nämlich nicht nur, dass sich Gleichgesinnte vor Beginn einer Vorstellung ein wenig beschnupperten, ihre Nadeln fliegen ließen und über ihr verbindendes Thema miteinander sprachen, im nur leicht gedämmten Kinosaal saß man nebeneinander um die Handarbeit und den Film zu genießen. „Auch leises Plaudern – sonst im Kino tabu – war ausdrücklich erlaubt“, sagte Basir Najimi abschließend und verriet so ganz nebenbei, dass es selbstverständlich auch im Februar ein Strick-Kino geben werde.                                                              André Sicks