aus Skandinavien hat
mittlerweile auch Deutschland überrollt. Es ist ein Phänomen, das
vom roten Faden lebt – das eine wortwörtlich, das andere
erzählerisch. Gerade wenn es einem nicht leichtfällt, sich mit
fremden Menschen, die gemeinsam eine Leidenschaft teilen, zu
vernetzen, ist solch ein Strick-Event im Kino echt entspannend.
Man
könne auch von „Socializing durch die Stricknadel“ sprechen,
formulierte es Basir Najimi vom filmriss Kino. Gemeinsam mit seinem
Team hatte er im vergangenen Jahr dieses „wollig-cineastische“
Event erstmalig an den Start gebracht und direkt einen Volltreffer
erzielt. „Das Strick-Kino ist eine tolle Möglichkeit neue
Zielgruppen anzusprechen und Communitys zusammenzubringen“,
erklärte er. Hinzu käme, dass bei solch einer Veran-staltung
Generationen miteinander verbunden würden und das Geschlecht oder
die Herkunft in keinster Weise eine Rolle dabei spielen würde Gerade
die Corona-Zeit, so sagte er, hätte die Handarbeit als Hobby wieder
salonfähig gemacht. Nicht zuletzt, weil auch junge Menschen wieder
zunehmend Freude am Stricken, Häkeln und Co. hätten und manch hippe
Strick-Designs, die sie über Social Media verbreiteten würden,
regelrecht viral gingen. „Handarbeit erlebte in den letzten Jahren
einen wahren Boom.“
Nach
der großartigen Resonanz auf das erste Strick-Kino gab es kürzlich
nun die Fortsetzung. Und auch diese startete mit einem
Tässchen Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen, bevor wenig später
dann der Film „Das
Leben der Wünsche“ mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle
über die Leinwand flimmerte. Dabei ging es um einen unauffälligen Angestellten der darunter
leidet, dass er von allen übersehen wird. Als er sich auf einen
teuflischen Pakt einlässt, gehen seine Wünsche plötzlich in
Erfüllung. Doch sein mephistohafter Wohltäter wartete bereits
darauf, Bilanz zu ziehen. Der Film von Erik Schmitt entfaltete als
moderne Parabel ein Spiel zwischen Realität und Utopie, in dem
Versu-chung, Image und Selbstverlust thematisiert wurden und stellte
sich den grundlegenden Fragen nach menschlicher Sehnsucht, dem Preis
von Erfolg und der Illusion erfüllter Wünsche.
Es
war ein nicht zu komplexer Film, damit die Gäste der Handlung auch
beim Stricken folgen konnte. Strick-Kino bedeute nämlich nicht nur,
dass sich Gleichgesinnte vor Beginn einer Vorstellung ein wenig
beschnupperten, ihre Nadeln fliegen ließen und über ihr
verbindendes Thema miteinander sprachen, im nur leicht gedämmten
Kinosaal saß man nebeneinander um die Handarbeit und den Film zu
genießen. „Auch leises Plaudern – sonst im Kino tabu – war
ausdrücklich erlaubt“, sagte Basir Najimi abschließend und
verriet so ganz nebenbei, dass es selbstverständlich auch im Februar
ein Strick-Kino geben werde. André Sicks

