Freitag, 16. Januar 2026

Nach dem Hammer kommt nun der Orden

Im Hippendorf ist man ja bekanntlich
nicht nur während der Kirmestage sehr aktiv. Auch in der närrischen fünften Jahreszeit herrschen Jubel, Trubel, Heiterkeit. Was in erster Linie daran liegt, dass die Vereinsmitglieder schon sehr früh beschlossen, auch Karnevalsfeste zu veranstalten und diese innerhalb der Stadt zu etablieren. Doch solch ein Spektakel ohne einen besonderen Orden geht ja mal so gar nicht, sagten sich der damalige Gesellschaftspräsident Paul-Günter Herguth und Ordensminister Heinz Fraenz. „Was andere können, das können wir schon lange.“ Schnell war in ihnen die Idee geboren, in jeder Session eine besondere Auszeichnung zu verleihen, deren einzige Bedingung es war, dass der jeweilige Würdenträger humorvoll sein sollte. Womit rasch dann auch ein passender Name für den Orden gefunden war: nämlich „Freude und Frohsinn“. 
Erstmalig wurde die Auszeichnung 1977 an den damaligen amtierenden Gevelsberger Bürgermeister Helmut vom Schemm verliehen. In der vergangenen Session zeichneten die Karnevalsfreunde den Chef der Gevelsberger Feuerwehr, Brandrat Falk Ramme, aus. Doch wer wird sein Nachfolger? Die KaGe Hippendorf freut sich verkünden zu können, dass der 47. Orden für Freude und Frohsinn in diesem Jahr an den wohl bekanntesten Muschelschubser der Stadt geht. Die Rede ist natürlich vom ehemaligen Hammerschmied Bernd Matthäi, der bis 2022 die Kultfigur im Gevelsberger Kirmesgeschehen mit Leib und Seele verkörperte. 
Matthäi wohnt in Ennepetal, ist seit 2004 mit Marion verheiratet, hat einen Sohn, zwei Enkelkinder und stammt gebürtig von der Ostseeinsel Fehmarn. Womit sich auch der Spitzname „Muschelschubser“ erklären lässt. Seine berufliche Laufbahn startete der 66-jährige mit einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, um später eine Umschulung zum Stahlbauschlosser zu absolvieren. Vier Jahre diente der neue Ordensträger bei der Bundeswehr und wollte sogar Berufssoldat werden. Doch Amors Pfeil hatte ihn getroffen, so dass er 1984 der Liebe wegen nach Gevelsberg zog. In der neuen Heimat arbeitete Matthäi als Fuhrparkleiter bei Zwieback Brandt sowie in der Kunststoffproduktion, bevor er im April 2024 in den wohlverdienten Ruhestand trat. Fragt man ihn nach seinen Hobbys, so gibt es zwei klare Antworten: die Kirmes und das Wohnmobil, mit dem er und Marion Deutschland und Europa bereisen wollen. 
Mit dem Brauchtum Kirmes hatte er anfänglich eigentlich gar nichts am Hut. Da seine Marion quasi in die Kirmesgruppe „Im Dörnen“ reingeboren wurde, blieb es nicht aus, dass die Partner der Vereinsmitglieder zu irgendwelchen Anlässen immer mit eingeladen wurden. Irgend-wann sagte er sich: „Jetzt komme ich auch mal und helfe beim Bauen“. Fortan war Bernd mit dem Kirmesvirus infiziert und ist es bis heute nicht mehr los geworden. 2010 übernahm er offiziell den Hammer. Sein Vorgänger als Hammerschmied war Michael Sichelschmidt, der ihn für diese Aufgabe persönlich aussuchte. Anfangs kein leichtes Amt für den Küstenjungen, doch mit seiner trockenen, plattdeutschen Art eroberte er rasch die Herzen der Kirmesgemeinde, repräsentierte die Stadt Gevelsberg würdig in den Nachbarstädten und baute die Freundschaften mit den Haspern, Schwelmern und Voerdern weiter aus. Nachdem sich Bernd als Symbolfigur von dem blau-weiß gestreiften Hemd, der grauen Schürze, den hölzernen „Blutschen“, dem rot-weißen Halstuch, der schwarzen Kappe und dem dicken Hammer getrennt hatte, wurde er zum Ritter von Hopfen und Malz sowie zum Blaukittelträger ernannt. Letzteren erhielt übrigens auch seine Frau, so dass die Matthäis damit das einzige Blaukittelpaar im Gevelsberger Kirmesverein sind.
 
Das „usse Ex-Hamerschmitt“ auch jeckes Blut in sich trägt, stellt er immer wieder bei den närrischen Großveranstaltungen unter Be-weis. Dort taucht er stets verkleidet auf, beispielsweise als Hippie, lebende Dusche, Mausefalle oder IKEA Stehlampe, und zieht damit die Blicke auf sich. Er ist eine närrische Stimmungskanone, die nicht nur Freude und Frohsinn verbreitet sondern auch einen ganz großen Beitrag zur Brauch-tumspflege in Gevelsberg leistet. „Das mir diese Auszeichnung zuteil kommt ist eine große Ehre und Freude“, sagt der Ordensträger 2026. 
Die Ordensverleihung findet am 30. Januar in der Gaststätte „Im Hippendorf“ statt und wird ein karnevalistisches Spektakel, bei dem so manche Rakete gezündet wird. Selbstverständlich wird an diesem Abend auch das aus den Reihen der Ka.Ge. Grün-Weiß Gevelsberg stammende Gevelsberger Prinzenpaar, Prinz Kai I. und Prinzessin Sonja I. nebst ihrem Gefolge, zugegen sein, um dem neuen Ordensträger seine Aufwartung zu machen. In diesem Sinne: Hippendorf Mäh!                                 André Sicks