Mittwoch, 28. Januar 2026

Eine Wanderung zu den Schönungsteichen am Rocholz

Die Schönungsteiche am Rocholz
sind nicht nur eine „abwassertechnische Anlage“, sie sind auch ein Biotop für viele Wasservögel und andere Arten. Um diese reichhaltige Vogelwelt einmal selbst in Augenschein zu nehmen, luden der Gevelsberger Heimatverein und der NABU Ennepe-Ruhr-Kreis zu ihrer alljährlich stattfindenden ornithologischen und heimatkundlichen Wanderung dorthin ein. 
An die 20 interessierten Personen, ausgerüstet mit Fernglas und Fotoapparat, trafen sich dafür nun am Sonntagvormittag auf dem Parkplatz an der Berchemallee gegenüber dem Berger See. Eine gut zweistündige vogelkundliche Exkursion, die bei frostkaltem Wetter unter der fachkundigen Leitung von Axel Gosewisch (Ortsbeauftragter des NABU EN für Gevels-berg und Fachstellenleiter Naturkunde und Naturschutz des Gevelsberger Heimatvereins), Ralf Steiner (Kleinvogel AG des NABU EN) und Andreas Belz (Vorsitzender vom Gevelsberger Heimatverein) für alle zu einem besonderen Naturerlebnis wurde.
 
Die Schönungsteiche sind durch ihre Gestaltung kaum mehr als Bestandteil einer abwassertechnischen Anlage zu erkennen, sondern werden meist nur als Gewässer mit einer Vielzahl verschiedener Wasservögel wahrgenommen. 

Während der Wanderung vernahm man immer wieder die Rufe und das Singen der verschiedenen Vogelarten. Manchmal hörte sich dieses Gezwitscher jedoch ein wenig „eingerostet“ an. Was in erster Linie daran lag, dass „die Vögel im Frühjahr ihre Stimmen wieder trainieren müssen“, erklärte Ralf Steiner. Dass sich zu dieser kalten Jahreszeit überhaupt eine solche Vielfalt an Vogelarten bestaunen ließe, sei der Tatsache geschuldet, dass die Schönungsteiche „nicht zufrieren und wärmer als andere Gewäs-ser in der Umgebung sind“, so Steiner. 
Die Natur, sie bescherte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern manch unvergessliche Momente. Einige Graureiher bereiteten schon ihre Nester vor, viele verschiedene Entenarten wie zum Beispiel die Stock-, Krick- oder Schnatterente, Wasserhühner, Kormorane und Schwäne tummelten sich auf den Teichflächen. Mit dem Fernglas ließen sich des Weiteren aber auch noch der Bunt- und Grünspecht sowie das Wintergoldhähnchen, das zu den kleinsten Vogelarten Europas gehört, einfangen.
 
Während die Teilnehmenden auf den Schönungsteichen die Vielzahl an Entenvögeln – z.B. Schnatterenten – beobachteten, konnten sie über weite Strecken schon das Trommeln eines Buntspechts vernehmen. 

Bei so viel Ornithologie durfte das Heimatkundliche natürlich nicht außen vor bleiben. Entlang der Route erläuterte Andreas Belz den Exkursions-teilnehmern Wissenswertes über die Veränderung der Landschaft. „In dem heute wertvollen Grün- und Erholungsbereich ist zu beachten, dass die gesamte Landschaft durch menschliche Aktivitäten umgestaltet wurde. Angefangen von Gut Rocholz seit dem Mittelalter über die beiden Bahnstrecken aus den 1870er Jahren bis hin zu den modernen Straßen und Gewässern. Entlang des Weges lassen sich an vielen Stellen historische Spuren und frühere Lebensräume erkennen.“ Er verwies auf den vom Gevelsberger Heimatverein eingerichteten Industriewanderweg entlang der Ennepe, der Zeugnis „über die Industriegeschichte unserer Stadt“ gäbe. Die Entwicklung der Industrie und die schwierigen persönlichen Arbeitsbedin-gungen könnten hier nachvollzogen werden. Er erläuterte, dass man sich während des Spaziergangs anhand von 14 bebilderten Informationstafeln in eine Arbeitswelt aus längst vergangenen Zeiten hineinversetzt würde. Und das sei dem Heimatverein immens wichtig. Man wolle, so sagte Andreas Belz abschließend, „diese Kultur lebendig vermitteln, um damit den jungen Generationen ein Stück unserer gemeinsamen Vergangenheit weiterzu-geben".                                                                                          André Sicks