Mittwoch, 1. April 2026

Hippendörfer haben ihre neue Wirkungsstätte bezogen

Die Tür mit der Mausklinke fiel ins Schloss,
der Schlüssel wurde herumgedreht – die Gaststätte „Im Hippendorf“, im Volksmund auch liebevoll „Bei Mausi“ genannt, sie ist fortan Geschichte. Ein emotionaler Moment, mit dem auch gleichzeitig für die dort beheimatete Kirmesgruppe „Hippendorf“ ihr jahrzehntelanges Schaffen und Wirken im Lindengraben endete. 
Direkt nach der närrischen Session begann man mit dem Ausräumen und „Ausmisten“ des Vereinsheims. Ein echter Mammutakt, durchgeführt mit viel Men- und Women-Power und bei dem zwischendrin auch immer mal das eine oder andere Erinnerungsstück zum Vorschein kam, berichtete die 1. Vorsitzende Petra Wenzel. Beispielsweise alte Fotos, besondere Kostümrequisiten oder gar Werkzeug. Wehmut schwang in ihrer Stimme und man konnte spüren, dass es für die Kirmesgruppe keinesfalls eine leichte Entscheidung war, den Betrieb der Kneipe, das liebgewonnene „zweite Zuhause“ mit dem angrenzendem Bauplatz aufzugeben. 
Wir müssen ehrlich sein, aber die in der heutigen Zeit steigen-den Betriebskosten zur Unterhaltung der Gaststätte waren für uns als Verein einfach nicht mehr zu stem-men.“ Auch wenn man regelmäßig kulinari-sche Events wie zum Beispiel die Schnitzel-parade, das Spargelfest oder den Reibekuchenabend veranstaltete, in der Karnevalszeit die Wände erbeben ließ, beispielsweise die Tafelrunde der „Ritter von Hopfen und Malz“ einmal monatlich bewirtete, den älteren Herren freitags und sonntags beim Stammtisch ihr kühles Blondes servierte oder den Bewertungsausschuss während seiner Rundreise vor der Kirmes zur Mittagspause versorgte, am Ende waren es nur ein paar Peanuts die in die Vereinskasse flossen. Auch mit Blick auf die Anzahl an Mitgliedern, so fügte Petra Wenzel hinzu, sei man nicht gerade groß aufgestellt. „Und doch haben wir gemeinsam unser Bestes gegeben und alles gewuppt.“ Ein großes Dankeschön richtete sie diesbezüglich in Richtung aller derer, die während dieser Zeit immer unterstützend im Gastrobereich behilflich waren und an all jene, die mit vollem Einsatz den Umzug durchgezogen haben.
 
Der Zapfhahn ist abgedreht, sämtliches Inventar, Tische, Stühle und Bänke sind ausgeräumt – die Gaststätte „Im Hippendorf“ in der Lindengrabenstraße ist Geschichte. 

Es stand für die Kirmesgruppe außer Frage, dass man in solch einer Situation die Flinte nicht endgültig ins Korn wirft.
Viel zu groß ist „unser aller Herz für den Erhalt und die Pflege heimischer Brauchtümer“. Und „wir Hippendörfer“ sind bekanntlich ja auch die einzigen, die mit der Kirmes (seit 1935) und dem Karneval (seit 1950 – Gründung des ersten 11er-Rates) gleich zwei Gevelsberger Kulturgüter Jahr für Jahr stärken und beleben. 
Kurz gesagt: Es musste etwas Neues her. Die Suche nach solch einer Wirkungsstätte begann; über Wochen durchforstete man sein bestehendes Netzwerk – mit dem Ergebnis: im Industriegebiet West fand sich etwas passendes. In der Gewerbestraße 15 unterhält die Firma Bernecker den ehemaligen Sitz der Baltin Verlagsgesellschaft mbH. 
„Und hier konnten wir dankenswerter Weise zwei Räume nebst einer kleinen Küchen-zeile und Toiletten als zukünftigen Vereins-sitz beziehen.“ Hinzu käme, dass man auf dem große Außenge-lände in einer Garage sämtliche Baumate-rialien lagern könne und es zusätzlich auch eine Möglichkeit für zukünftige Wagenbauten biete. Man dürfe von einem echten Glücksfall sprechen, beschrieb es Petra Wenzel abschließend, der es der Kirmesgruppe „Hippendorf“ rasch ermöglichte, den Reset-Knopf zu drücken, um damit „eine Art Zeitenwende“ einzuläuten.                                                                                   André Sicks