unter diesem Motto steht der diesjährige
bundesweite Tag des Gesundheitsamtes. Der Aktionstag wurde 2019 vom
Robert Koch-Institut ins Leben gerufen. Das Datum – 19. März –
erinnert an den Geburtstag von Johann Peter Frank, einem Begründer
des öffentlichen Gesundheits-dienstes. Im
Interview skizziert Dr. Sabine Klinke-Rehbein, Amtsärztin des
Gesund-heitsamtes des Ennepe-Ruhr-Kreises, Aufgaben und Arbeit der
rund 100 Beschäftigten, die für die Kreisverwaltung in diesem
Bereich im Einsatz sind.
Welche
Rolle spielt der öffentliche Gesundheitsdienst im Gesundheits-wesen?
Im
Unterschied zu Arztpraxen oder Krankenhäusern betrachten wir nicht
nur einzelne Patientinnen und Patienten. Unser Blick richtet sich
stärker auf die Gesundheit der gesamten Bevölkerung. Prävention
und Gesundheits-förderung spielen dabei eine große Rolle.
Welche
Aufgaben hat ein Gesundheitsamt überhaupt?
Ein
großer Teil unserer Arbeit basiert auf gesetzlichen Pflichtaufgaben.
Dazu gehören unter anderem der Infektionsschutz, die Überwachung
medizi-nischer Einrichtungen aus hygienischer Sicht sowie die
Kontrolle von Trinkwasseranlagen. Verantwortlich sind wir als
öffentlicher Gesundheits-dienst aber beispielsweise auch für
Schuleingangsuntersuchungen, Beratungen zu sexuell übertragbaren
Krankheiten und die Apotheken-aufsicht. Einstellungsuntersuchungen von
Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sowie Gutachten für das
Jobcenter EN oder das Sachgebiet Hilfen für Menschen mit
Behinderungen werden vom amtsärztlichen Dienst übernommen. Diese
Gutachten sind eine Aufgabe, die Ausgaben für externe Gutachter in
vielen Fällen überflüssig machen. Zudem beraten und unterstützen
wir Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen – zum Beispiel Kinder
und Jugendliche, Schwangere und Familien oder Menschen mit
psychischen Erkrankungen. Und die Kontakt- und Informationsstelle für
Selbsthilfe ist für viele Betroffene eine wichtige Anlaufstelle.
Hat
sich die Bedeutung der Gesundheitsämter in den letzten Jahren
verändert?
Ja,
besonders während der Corona-Pandemie ist der öffentliche
Gesundheitsdienst deutlich stärker in den Fokus gerückt. Dabei
wurde deutlich, wie wichtig leistungsfähige Gesundheitsämter vor
Ort sind, um Infektionskrankheiten früh zu erkennen und Ausbrüche
einzudämmen. Mitte 2025 hat sich mit dem novellierten Landesgesetz
über den öffentlichen Gesundheitsdienst zudem unser
Aufgabenspektrum erweitert. Aus vier wurden zwölf Pflichtbereiche.
Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitskompetenz haben nun
einen eigenen gesetzlichen Stellenwert und auch die
Gesundheitsberichterstattung soll kontinuierlich erfolgen.
Welche
Aufgaben stehen aktuell besonders im Mittelpunkt?
Das
Bekämpfen von Infektionskrankheiten und das Eindämmen von
Ausbruchsgeschehen war, ist und bleibt eine der Hauptaufgaben der
Gesundheitsaufsicht. Jahreszeittypisch beschäftigen uns derzeit
Atemwegs-erkrankungen wie Influenza sehr intensiv. Jeder Ausbruch in
Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, in Alten- und Pflegeheimen
oder in Krankenhäusern bedeutet für uns auf der Suche nach
Ursachen, beim Ermitteln aller Fälle und den notwendigen Meldungen
eine wahre Sisyphusarbeit. Am Ende ist es für alle Beteiligten aber
natürlich auch ein gutes Gefühl, einen Ausbruch in den Griff
bekommen zu haben. Intensiv arbeiten wir außerdem daran, die neuen
Vorgaben in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention und
Gesundheitskompetenz in konkrete Projekte und Angebote umzusetzen.
Und auch der Klimawandel spielt zunehmend eine Rolle in unserem
Alltag. Auf unserer Agenda stehen beispielsweise Hitzeschutzmaßnahmen
für besonders gefährdete Menschen sowie die Unterstützung bei der
Entwicklung kommunaler Hitzeaktionspläne.
Zum
bevorstehenden Aktionstag „Tag des Gesundheitsamtes“ stand
Amtsärztin Dr.
Sabine Klinke-Rehbein der Pressestelle des Ennepe-Ruhr-Kreises Rede
und Antwort.
Sehr
aktiv ist das Gesundheitsamt auch für Kinder und Jugendliche.
Ja
– hierfür zwei Beispiele. Das Programm „RückENwind" deckt
beispiels-weise die Bereiche Bewegen, Sprechen, Entwickeln und Fühlen
ab. Angeboten wird es derzeit von 57 Kindertageseinrichtungen im
Ennepe-Ruhr-Kreis. Die „Schatzsuche" richtet sich ebenfalls an
Kitas, stärkt seelische Schutzfaktoren bei Kindern und
sensibilisiert Eltern und pädagogische Fachkräfte für das Thema
seelische Gesundheit.
Und
der sozialpsychiatrische Dienst – was verbirgt sich dahinter?
Er
ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen
Erkrank-ungen und ihre Angehörigen. Wir beraten und vermitteln
Unterstützungs-angebote und sind in der Krisenintervention tätig.
Dabei arbeiten wir eng mit vielen Partnern im Hilfesystem zusammen.
Wie
sind Sie aufgestellt, um diese große Palette an Aufgaben zu
be-wältigen?
Unser
Team arbeitet multidisziplinär. Verschiedene Fachrichtungen arbeiten
Hand in Hand – darunter Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und
Zahnärzte, Psychologinnen und Psychologen,
Gesundheitswissenschaft-lerinnen, Sozialarbeiterinnen und
Sozialarbeiter, Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleure,
Pflegefachkräfte sowie Verwaltungsmitarbeitende. Nur durch diese
Zusammenarbeit können wir die vielfältigen Aufgaben des
Gesundheitsamtes erfüllen. Ennepe-Ruhr-Kreis


