Montag, 16. März 2026

Wilde Zeiten zum Frauentag mit Hausfrauenregeln

Jedes Jahr am 8. März
findet der Internationale Frauentag statt. Seit 1911 feiern Frauen diesen Aktionstag, um weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam zu machen. Er würdigt mitunter auch die Errungenschaften der Frauenbewegung, verweist zugleich aber auch auf fortbestehende Diskriminierungen und ruft dazu auf, sich weiterhin für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. Der 8. März, er steht somit für historische Kämpfe und aktuelle Debatten. 
Anlässlich des Internationalen Frauen-tags hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gevelsberg Nora Nörenberg am Freitag, den 13. März, zu einer literarisch-musikalischen Revue ins Bür-gerhaus „Alte Johanneskirche“ einge-laden, bei der sich die Schauspielerin Jutta Seifert mit ihren Gästen auf eine Zeitreise durch die Jahrzehnte, die Geschichte der Frau, der Gleichberechtigung und durch das Leben begab. „Angebissen!“ sei eine One-Woman-Show, die sich mit der Rolle der Frau und der Gleichstellung befasse, brachte es Nora Nörenberg auf den Punkt und versprach vor Beginn jede Menge bissige Unterhaltung rund um die Frauenfrage, die Liebe, das Leben und die Gewürze dazwischen.
 
Anlässlich des Internationalen Frauentags durften die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gevelsberg, Nora Nörenberg, und die 1. stellvertretende Bürgermeisterin, Sonja Dehn, zahlreiche Gäste im Bürgerhaus „Alte Johanneskirche“ zur Veranstaltung „Angebissen!“ begrüßen. 

Mit einer leicht abgewandelten Schöpfungsgeschichte begann Jutta Seifert aus dem Off heraus mit der Betrachtung darüber, wie sich die Rolle der Frau entwickelte. Gott hatte den Mann erschaffen, sah, dass es gut war, aber verfluchte sich einen Tag später, weil er die Frau vergessen hatte. So erfand er das Paar, und „das Elend und die Schönheit begann“.
Stilvoll und im Cocktailkleid betrat sie nun die Bühne und tauchte ins Pariser Nachtleben der 20er Jahre ein. Mit französischem Akzent und rauchiger Stimme berichtete sie von der Frau, dem Mann und der Liebe. Letztere besang sie höchst schmalzig. „Wenn ich eine Flasche wäre, was für eine wäre ich?“ 
Eine Generation nach den Frauen, die sich von ihren Korsetts befreit hatten, betätigte sie sich als Trümmerfrau, die später ihre verstaubte Kleidung mit dem Petticoat tauschte und Rock`n Roll tanzte bis zur Hippie-Aufmachung.
Jutta Seifert brachte auf ihrer Zeitreise auch zum Ausdruck, dass Frau in den 1970ern eine gute Hausfrau und makellose Gattin sein musste. Witzige Benimm-Regeln für sie hatte der „Club der freien Radikalen“ parat.
Nachzu-lesen in der Frauenzeitschrift „Brigitte“, wo sich Sätze wie „Machen Sie sich interessant für ihn“, „Seine Themen sind wichtiger als ihre“ oder „Halten Sie den Haushalt tadellos in Ordnung“ ließen das Publikum ein wenig er-schaudern. Doch die Frau war mittler-weile nicht mehr das schwache Geschlecht. In den 80ern hatten sich die Frauen ein Stück weit emanzipiert.

 
Jutta Seifert spielte in ihrer Revue singend, spielend und rezitierend mit den weiblichen Klischees von der Diva, dem Vamp bis zur braven Hausfrau. Wobei sich der Titel „Angebissen!“ übrigens auf jenen Apfel bezog, in den sie am Ende „kraftvoll hineinbeißen“ wollte. Was ihm fehlte war allerdings eine kleine Schnitze: 16 Prozent, sagte Seifert und klärte darüber auf, dass genau dies dem „Gender Pay Gap“, die Lohnlücke in der Bezahlung zwischen Mann und Frau, entspräche. Mit leiser Ironie drückte sie abschließend die Hoffnung aus, dass zukünftige Gene-rationen von Frauen irgendwann einmal den gleichen Lohn wie die Männer erhalten würden. 
Nach rund 70 Minuten endete eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Reise, die die Gäste mit begeistertem Applaus honorierten und zum Nachdenken anregte sowie zum Dialog motivierte. Und auch die Gevels-berger Gleichstellungsbeauftragte zeigte sich glücklich und zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und zog dem Titel entsprechend das Fazit: „Das Publikum im Bürgerhaus hat begeistert angebissen."          André Sicks