Schränke werden dabei von den Wänden gerückt und
oftmals sogar das Sofa hervorgezogen, um darunter Staub zu wischen.
Blitzt und blinkt es erst einmal, dann fühlt man sich rundum wohl
Wie aber sieht es mit den heimischen Landschaften, der Natur,
dem öffentliche Lebensraum aus? Möchte man sich dort nicht auch
wohlfühlen? Anscheinend nicht, wenn man der Tatsache ins Auge
schaute, dass nach wie vor jedwede Art von Müll, leere Dosen und
Verpackungen, Zigarettenkippen oder Einwegflaschen von einigen
Mitmenschen achtlos ins Gebüsch geschmissen werden.
Um
auf diese Probleme hinzuweisen, findet alljährlich der „Gevelsberger
Haus-putz“ statt, bei dem Schulen, Kinder-gärten, Vereine,
Institutionen und Organi-sationen freiwillig für mehr Sauberkeit in
den Wäldern, Parkanlagen sowie an Rad- und Spazierwegen plädieren,
um das Erscheinungsbild ihrer Stadt gepflegt erscheinen zu lassen.
Eine Aktion, die vor über 20 Jahren von der Umwelt-pädagogin Annette
Bußmann und dem städtischen Umweltbeauftragten Matthias Sprenger
ins Leben gerufen wurde und die sich binnen kürzester Zeit zum
Selbstläufer entwickelte. Man nahm damals sogar eine Vorreiterrolle
im südlichen EN-Kreis ein, die viele Nachbarstädte dazu beflügelte
Ähnliches ins Leben zu rufen.
Während
die heimischen Vereine und Institutionen, wie zum Beispiel einige
Kirmesgruppen, die SPD-Ortsvereine oder die AWO, ihren „Putztag“
für den 8. März eingeplant hatten, machten sich tags zuvor schon
einmal alle Gevelsberger Schulen sowie einige Kindertagesstätten an
die Arbeit. Ausgestattet mit Müllsäcken und Handschuhen, die
dankenswerterweise von den Technischen Betrieben zur Verfügung
gestellt wurden, schwangen insgesamt 1.859 junge „Putzteufel“
rund um ihr Schul- und Kindergarten-umfeld den Besen. Binnen
kürzester Zeit füllte sich dabei manch blauer Müllsack mit Unrat,
so dass am Ende des Großreine-machens für die Kin-der feststand:
„Man-che Menschen sind einfach nur Umwelt-sünder“ – so die
wort-wörtliche Formulierung eines Schülers der Städtischen
Realschule, Ein Satz, dem Bürgermeister Claus Jacobi und die beiden
Vorsitzenden vom SPD Stadtverband, Sonja Dehn und Daniel Berenbruch,
nur zustimmen konnten. Das politische Duo besuchte alle Teilnehmenden
und bedankte sich persönlich bei den jungen Müllsammlern für deren
Engagement. Als Dankeschön gab es Äpfel und Müsliriegel zur
Stärkung. „Wir
wollen Vorbild sein, für die Leute, die hier alles dreckig machen“,
appellierte eine Schülerin der Realschule, womit sie ein klares
Statement setzte. Wenn nämlich Kinder frühzeitig lernen keinerlei
Müll in die Natur zu werfen und diesen umweltbewussten Gedanken
zusätzlich auch noch in ihre Familien transportieren, dann kann am
Ende von einer erfolgreichen Präventionsarbeit gesprochen werden.
Die
Bereitschaft all jener, die sich aktiv am „Gevelsberger Hausputz“
beteiligten, war groß, umso trauriger jedoch die Tatsache, dass nach
wie vor viele Menschen die Natur und den öffentlichen Lebensraum als
ihren privaten Mülleimer ansehen. Auch wenn diese Saubermachaktion
eine Erfolgsgeschichte aufweist, ein noch viel größerer Erfolg wäre
es, wenn man eines Tages verkünden könnte, dass der „Gevelsberger
Hausputz“ ab sofort nicht mehr von Nöten sei. André Sicks