Donnerstag, 19. Februar 2026

Vorlesewettbewerb in der Stadtbücherei Gevelsberg – Sechsklässler Emil zum Top-Leser im EN-Kreis gekürt

Bücher gibt es für jeden Geschmack
und zu allen Themen. Ob Spannung, Unterhaltung, Wissen: Lesen ist Kino im Kopf und eine Reise in fremde Welten. Es ist aber auch eine wichtige Kulturkompetenz und die Basis für Erfolg auf dem Bildungsweg und im Berufsleben. Darüber hinaus ermöglicht Lesen Meinungsbildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Umso alarmierender scheint es da, dass über ein Viertel der Grundschulabsolventinnen und -absolventen nicht sinnentnehmend lesen kann. 
Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, zählt seit 1959 zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben und ist eine gute Voraus-setzung, um den Spaß am Lesen für sich zu entdecken und andere damit anzustecken. Er startet alljährlich im Oktober an den weiterführenden Schulen und verläuft danach über mehrere regionale und überregionale Etappen bis zum Landesentscheid und darauffolgenden Bundesfinale im Sommer. 19 Mädchen und Jungen, die im Vorfeld bereits an ihren Schulen als beste Vorleser für den Ennepe-Ruhr-Kreis ermittelt worden waren, traten nun zum großen Kreisfinale an. Ein Event, das seit vielen Jahren mit großem Einsatz und Engagement von der Buchhandlung Appelt organisiert wird und dessen Schauplatz die Stadtbücherei Gevelsberg ist. 
Zunächst waren die Schülerinnen und Schüler gefordert, drei Minuten aus einem selbst gewählten Buch, das sie auch kurz vorstellten, vorzulesen. Dabei achtete die vierköpfige Fachjury, bestehend aus dem renommierten Kinder- und Jugendbuchautor Jürgen Banscherus, Büchereileiterin Stephanie Kron, dem ehemaligen Lehrer Lutz Klingelberg sowie Cecilia Kuschmann, Auszubildende der Buchhandlung Appelt, auf die Lesetechnik, die Interpretation der Textpassage sowie die Textauswahl. Nach einer kurzen Pause galt es nun, einen fremden Text vorzutragen, bei dem ebenfalls Lesetechnik und Interpretation mit in die Bewertung flossen. Als Fremdtext hatte die Stiftung Buchkultur / Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die den Vorlesewettbewerb bundesweit veranstaltet, in diesem Jahr das Jugendbuch „Rocky Winterfeld“ ausge-wählt. Autorin Marie Hüttner beschreibt darin eine Geschichte über die Suche nach wahrer Freundschaft und das Überwinden blockierender Ängste. Bei beiden Durchgängen war in der Räumlichkeit der Stadtbücherei kein Laut zu hören. Die ganze Zeit über lag eine gewisse Spannung in der Luft, die insbesondere für die anwesenden Eltern, Großeltern und Geschwister zum Greifen nahe war. Auch bei der Fachjury, die sich am Ende mit ihrer Entscheidung schwertat, da, so ließ das Bewertungsgremium verlauten, die meisten Kinder beim Fremdtext beeindruckend gut gelesen haben. 
Am Ende hieß der Sieger beim diesjäh-rigen Kreisfinale Emil Baumeister und kam aus der Klasse 6a vom Märkischen Gymna-sium Schwelm. Er hatte sich für seinen persönlichen Vortrag „Crazy Family“ von Markus Orths ausge-sucht, eine wahrhaftig tolle Geschichte voller Komik, irrwitziger Figu-ren und einer rasant-dynamischen Hand-lung. Ein intermedial inspiriertes Vorlese-vergnügen, das mit Erwartungen und Rollenmustern bricht, wo es nur kann. Mit guter Lautstärke, angemessenem Tempo und ausdrucksstarker Betonung las Emil vor. Dabei gestaltete er den Text sehr lebendig, verlieh den einzelnen Figuren die passende Stimme. Weil er zudem auch den Fremdtext, den keiner der Teilnehmenden vorher kannte, sicher und souverän vortrug und durch die passende Betonung bewies, dass er diesen schnell erfasst hatte, erhielt er schließlich von der Jury die meisten Punkte. 
Alle Finalisten erhielten bei der Siegerehrung eine Urkunde sowie das Buch, aus dem sie den Fremdtext vorlesen mussten. Emil Baumeister wird nun den Ennepe-Ruhr-Kreis beim Vorlesewettbewerb auf Bezirksebene vertre-ten, Termin ist im März oder April. Im Erfolgsfall könnte es dann im Mai zum Landesentscheid gehen, das Bundesfinale findet im Juni statt.   André Sicks