nicht nur während der Kirmestage
sehr aktiv. Auch in der närrischen fünften Jahreszeit herrschen
Jubel, Trubel, Heiterkeit. Was
in erster Linie daran liegt, dass die Vereinsmitglieder schon sehr
früh beschlossen, auch Karnevalsfeste zu veranstalten und diese
innerhalb der Stadt zu etablieren. Doch solch ein Spektakel ohne
einen besonderen Orden geht ja mal so gar nicht, sagten sich der
damalige Gesellschaftspräsident Paul-Günter Herguth und
Ordensminister Heinz Fraenz. „Was andere können, das können wir
schon lange.“ Schnell war in ihnen die Idee geboren, in jeder
Session eine besondere Auszeichnung zu verleihen, deren einzige
Bedingung es war, dass der jeweilige Würdenträger humorvoll sein
sollte. Womit rasch dann auch ein passender Name für den Orden
gefunden war: nämlich „Freude und Frohsinn“.
Erstmalig
wurde die Auszeichnung 1977 an den damaligen amtierenden Gevelsberger
Bürgermeister Helmut vom Schemm verliehen. In der vergangenen
Session zeichneten die Karnevalsfreunde den Chef der Gevelsberger
Feuerwehr, Brandrat
Falk Ramme, aus. Doch wer wird sein Nachfolger? Die KaGe Hippendorf freut sich
verkünden zu können, dass der 47. Orden für Freude und Frohsinn in
diesem Jahr an den wohl bekanntesten Muschelschubser der Stadt geht.
Die Rede ist natürlich vom ehemaligen Hammerschmied Bernd
Matthäi,
der bis 2022 die Kultfigur im Gevelsberger Kirmesgeschehen mit Leib
und Seele verkörperte. Matthäi
wohnt in Ennepetal, ist seit 2004 mit Marion verheiratet, hat einen
Sohn, zwei Enkelkinder und stammt gebürtig von der Ostseeinsel
Fehmarn. Womit sich auch der Spitzname „Muschelschubser“ erklären
lässt. Seine berufliche Laufbahn startete der 66-jährige mit einer
Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, um später eine Umschulung zum
Stahlbauschlosser zu absolvieren. Vier Jahre diente der neue
Ordensträger bei der Bundeswehr und wollte sogar Berufssoldat
werden. Doch Amors Pfeil hatte ihn getroffen, so dass er 1984 der
Liebe wegen nach Gevelsberg zog. In der neuen Heimat arbeitete
Matthäi als Fuhrparkleiter bei Zwieback Brandt sowie in der
Kunststoffproduktion, bevor er im April 2024 in den wohlverdienten
Ruhestand trat. Fragt man ihn nach seinen Hobbys, so gibt es zwei
klare Antworten: die Kirmes und das Wohnmobil, mit dem er und Marion
Deutschland und Europa bereisen wollen. Mit
dem Brauchtum Kirmes hatte er anfänglich eigentlich gar nichts am
Hut. Da seine Marion quasi in die Kirmesgruppe „Im Dörnen“
reingeboren wurde, blieb es nicht aus, dass die Partner der
Vereinsmitglieder zu irgendwelchen Anlässen immer mit eingeladen
wurden. Irgend-wann sagte er sich: „Jetzt komme ich auch mal und
helfe beim Bauen“. Fortan war Bernd mit dem Kirmesvirus infiziert
und ist es bis heute nicht mehr los geworden. 2010
übernahm er offiziell den Hammer. Sein
Vorgänger als Hammerschmied war Michael Sichelschmidt, der ihn für
diese Aufgabe persönlich aussuchte. Anfangs kein leichtes Amt für
den Küstenjungen, doch mit seiner trockenen, plattdeutschen Art
eroberte er rasch die Herzen der Kirmesgemeinde, repräsentierte die
Stadt Gevelsberg würdig in den Nachbarstädten und baute die
Freundschaften mit den Haspern, Schwelmern und Voerdern weiter aus.
Nachdem sich Bernd als Symbolfigur von dem blau-weiß gestreiften
Hemd, der grauen Schürze, den hölzernen „Blutschen“, dem
rot-weißen Halstuch, der schwarzen Kappe und dem dicken Hammer
getrennt hatte, wurde er zum Ritter von Hopfen und Malz sowie zum
Blaukittelträger ernannt. Letzteren erhielt übrigens auch seine
Frau, so dass die Matthäis damit das einzige Blaukittelpaar im
Gevelsberger Kirmesverein sind.
Das
„usse Ex-Hamerschmitt“ auch jeckes Blut in sich trägt, stellt er
immer wieder bei den närrischen Großveranstaltungen unter Be-weis.
Dort taucht er stets verkleidet auf, beispielsweise als Hippie,
lebende Dusche, Mausefalle oder IKEA Stehlampe, und zieht damit die
Blicke auf sich. Er ist eine närrische Stimmungskanone, die nicht
nur Freude und Frohsinn verbreitet sondern auch einen ganz großen
Beitrag zur Brauch-tumspflege in Gevelsberg leistet. „Das mir diese
Auszeichnung zuteil kommt ist eine große Ehre und Freude“, sagt
der Ordensträger 2026. Die
Ordensverleihung findet am 30. Januar in der Gaststätte „Im
Hippendorf“ statt und wird ein karnevalistisches Spektakel, bei dem
so manche Rakete gezündet wird. Selbstverständlich wird an diesem
Abend auch das aus den Reihen der Ka.Ge. Grün-Weiß Gevelsberg
stammende Gevelsberger Prinzenpaar, Prinz Kai I. und Prinzessin Sonja
I. nebst ihrem Gefolge, zugegen sein, um dem neuen Ordensträger
seine Aufwartung zu machen. In diesem Sinne: Hippendorf Mäh! André Sicks

