hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle
Bestrebungen auf dem Gebiet der Heimatkunde und -pflege zu fördern
und zu unterstützen. Man schaut aber auch immer mal wieder über den
Tellerrand der Stadtgrenze hinaus. Durch Lesungen oder Vorträge
erhält man unter anderem Einblicke über die Geschichte der
Nachbarstädte und deren Brauchtümer. Und zu einer solchen
Veranstaltung, deren Thema außerhalb von Gevelsberg angesiedelt ist,
sind nun alle lokalgeschichtlich Interessierten eingeladen.
Am
22. Mai 2026 wird Marc Albano-Müller um 18:00 Uhr einen
unterhaltsamen Bildvortrag zum Thema „Das jüdische Schwelm gestern
und heute“ in der Heimatstube (Alte Geer 6) präsentieren. Der
Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenfrei; Snacks und Getränke
werden gegen eine Spende angeboten.
Ungewöhnlich
früh und schon seit dem 17. Jahrhundert zogen Juden nach Schwelm,
ausnahmslos alle waren im Beruf des Metzgers oder Vieh-händlers. Sie
galten lange als Fremdlinge, die ihre eigene Kultur am Rand der
Gesellschaft pflegten. Als 1722 Abraham Simon unachtsam einen
gewaltigen Stadtbrand auslöste, schien das Verhältnis unheilbar
zerrüttet.
Viehhändler
Salomon Melchior heiratete um 1820 die Metzgerstochter Julie Herz aus
der Schwelmer Kirchstraße.
Einhundert Jahre später leitete der Bau der Schwelmer
Synagoge in eine Zeit immer fried-licheren Zusammenlebens über.
Nachkommen der Metzgersfamilien eröffneten Bekleidungs-geschäfte,
Fabriken, eine Privatbank. Der große, jüdische Friedhof am Rande
der Stadt erzählt bis heute Geschichten bekannter Schwelmer
Familien. Dann kamen die Nazis und begannen, die jüdischen Mitbürger
zu verfolgen und zu töten. Ein großer Teil der Schwelmer Gemeinde
entkam in die Emigration. Erst viele Jahrzehnte später wollte man
sich ihrer wieder erinnern.
Seit
vielen Jahren forscht der Schwelmer Marc Albano-Müller zur jüdischen
Geschichte seiner Stadt. Dabei ging er all jenen Menschen nach, die
Schwelm gezwungenermaßen verlassen mussten. Herz, Marcus, Meyer,
Rosendahl – alles Namen alter jüdischer Familien, deren Nachfahren
ihr heutiges Leben in vielen Ländern der Welt, unter anderem in
Israel, den USA, England und Thailand, fortsetzen. Der Vorsitzender
des Vereins für Heimatkunde Schwelm spürte sie auf und erhielt
Fotos, Erinnerungen und Lebensdaten. So gelang es ihm schließlich,
der einstigen jüdischen Gemeinde der Kreisstadt wieder ein Gesicht
zu geben. André Sicks


