Dienstag, 12. Mai 2026

Bildervortrag über das Schicksal jüdischer Menschen aus Schwelm

Der Gevelsberger Heimatverein e.V.
hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Bestrebungen auf dem Gebiet der Heimatkunde und -pflege zu fördern und zu unterstützen. Man schaut aber auch immer mal wieder über den Tellerrand der Stadtgrenze hinaus. Durch Lesungen oder Vorträge erhält man unter anderem Einblicke über die Geschichte der Nachbarstädte und deren Brauchtümer. Und zu einer solchen Veranstaltung, deren Thema außerhalb von Gevelsberg angesiedelt ist, sind nun alle lokalgeschichtlich Interessierten eingeladen. 

Am 22. Mai 2026 wird Marc Albano-Müller um 18:00 Uhr einen unterhaltsamen Bildvortrag zum Thema „Das jüdische Schwelm gestern und heute“ in der Heimatstube (Alte Geer 6) präsentieren. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenfrei; Snacks und Getränke werden gegen eine Spende angeboten. 

Ungewöhnlich früh und schon seit dem 17. Jahrhundert zogen Juden nach Schwelm, ausnahmslos alle waren im Beruf des Metzgers oder Vieh-händlers. Sie galten lange als Fremdlinge, die ihre eigene Kultur am Rand der Gesellschaft pflegten. Als 1722 Abraham Simon unachtsam einen gewaltigen Stadtbrand auslöste, schien das Verhältnis unheilbar zerrüttet.
 
Viehhändler Salomon Melchior heiratete um 1820 die Metzgerstochter Julie Herz aus der Schwelmer Kirchstraße. 

Einhundert Jahre später leitete der Bau der Schwelmer Synagoge in eine Zeit immer fried-licheren Zusammenlebens über. Nachkommen der Metzgersfamilien eröffneten Bekleidungs-geschäfte, Fabriken, eine Privatbank. Der große, jüdische Friedhof am Rande der Stadt erzählt bis heute Geschichten bekannter Schwelmer Familien. Dann kamen die Nazis und begannen, die jüdischen Mitbürger zu verfolgen und zu töten. Ein großer Teil der Schwelmer Gemeinde entkam in die Emigration. Erst viele Jahrzehnte später wollte man sich ihrer wieder erinnern.
 
Seit vielen Jahren forscht der Schwelmer Marc Albano-Müller zur jüdischen Geschichte seiner Stadt. Dabei ging er all jenen Menschen nach, die Schwelm gezwungenermaßen verlassen mussten. Herz, Marcus, Meyer, Rosendahl – alles Namen alter jüdischer Familien, deren Nachfahren ihr heutiges Leben in vielen Ländern der Welt, unter anderem in Israel, den USA, England und Thailand, fortsetzen. Der Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde Schwelm spürte sie auf und erhielt Fotos, Erinnerungen und Lebensdaten. So gelang es ihm schließlich, der einstigen jüdischen Gemeinde der Kreisstadt wieder ein Gesicht zu geben.               André Sicks