Samstag, 28. Februar 2026

Nach 36 Jahren wurde der Staffelstab weitergereicht

So schnell ringt Uwe Jesinghaus
eigentlich nicht mit der Fassung. Bei der Jahreshauptversammlung der Kirmesgruppe „Im Dörnen“ konnte man bei ihrem Vorsitzenden dann doch das ein oder andere Träne ausmachen. Der Grund dafür: Bei den turnusgemäßen Vorstandwahlen trat er nicht noch einmal an. Nach sage und schreibe 36 Jahren sei es nun an der Zeit, den Staffelstab in jüngere Hände zu legen, sagte er und ließ erkennen, dass er mit dieser persönlichen Entscheidung wahrlich im Reinen war.
 
Bevor es jedoch soweit war, ließen die Kirmesaktiven noch einmal kurz das vergangene Jahr Revue passieren, in dem der „Fluch der Karibik“ über ihnen lag. Was zur Folge hatte, dass man mir nichts, dir nichts durch die Zeit ge-schleudert wurde. Zurück in jene Epoche, als Piraten als Schrecken der Meere gefürchtet und als schlimmste Verbrecher geächtet sowie verfolgt wurden. Dabei wurden sie Zeuge, wie das paradiesische Leben des charman-ten Piratenkapitän Jack Sparrow einen jähen Dämpfer erhielt. Für alle in Abenteuer, mit Piratenflaggen, Schiffshaustieren, berühmt-berüchtigten Seeräubern und einem stolzen Schiff namens „Black Pearl“, an dessen Ende die Kirmesgruppe mit dem 3. Preis beim Gevelsberger Kirmeszug bedacht wurde. 

Was folgte, war der wohl emotionalste Moment der Versammlung. Marion „Önne“ Matthäi und ihre Schwester Dagmar Kuhler ergriffen das Wort, um ein paar persönliche Worte an Uwe Jesinghaus zu richten. Beide wurden sie in der Kirmesgruppe groß und haben „die ganze Amtszeit“ von Uwe Jesinghaus als 1. Vorsitzender miterlebt, die am 17. Februar 1990 im Vereinslokal „Unter den Linden“ (Apfelbaum) begann. „Du hast die KG `Im Dörnen` 36 Jahre mit Herzblut geführt und nach außen hin würdig vertreten.“ In über drei Jahrzehnten, so ergänzten das Damen-Duo, hätte das einstige Gesicht vom Gevelsberger Ordnungsamtes stets dafür gesorgt, dass „unser Brauchtum weiterlebt“ und dass das „Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe“ gestärkt wurde. Nicht zu vergessen, dass der 1. Vorsitzende bekanntlich das Gesicht einer Truppe sei und damit große Verantwortung trage, Nerven besitzen müsste und viel Freizeit opfere. „Und dafür möchten wir Dir heute von ganzem Herzen Danke sagen und Dir als Zeichen unserer Wertschätzung ein Präsent überreichen. Sprachen sie dabei von einer Kleinigkeit, so entpuppte sich diese als ein großer Präsentkorb mit etlichen Köstlichkeiten. 
Ebenfalls dankten die Damen seiner Frau Angelika mit einem riesigen Blumenstrauß, da diese über all die Jahre hinweg „ihrem Uwe“ den Rücken freigehalten hatte. Just in dem Moment als er etwas sagen wollte, überreichten auch noch Klaus und Inge Buch, zwei der wohl längsten Mitglieder der Kirmesgruppe, einem sichtlich gerührten Uwe Jesinghaus ein persönliches Geschenk – die signifikanten Symbole von Gevelsberg (Stadtwappen, Riesenrad und Harfe) aus Metall. Das Schöne, so sagte Klaus Buch, sei die Tatsache, dass „Du nicht die Gruppe verlässt, sondern nur den Amtsposten“. Daher würde sich die ganze Kirmesgruppe auch freuen, dass man weiterhin gemeinsame Kirmesfeste „als Freund und Mitglied.“ feiern könnte. 

Neben dem Präsentkorb von der gesamten Kirmesgruppe überreichte auch noch Klaus Buch seinem Freund Uwe Jesinghaus ein ganz persönliches Geschenk. 

In jedem Ende steckt ein Anfang“, bedankte sich der 68-jährige bei seiner Truppe. Ein Satz, der quasi sein Lebensmotto ist. Er erinnerte sich daran, dass seine erfolgreiche Zeit als Kunstturner mit einem zertrümmerten Fersenbein endete und er sich bei einem Motorradunfall zwei Wirbel brach. Und das ausgerechnet in dem Jahr, als er seinen 1997 verstorbenen Vater Peter Jesinghaus als Vorsitzender beerbte. „Zu der Versammlung musste ich damals im Rollstuhl geschoben werden.“ Ein für ihn prägendes Ereignis, „wie auch dieser jetzige Augenblick“, der eine neue Zeit einläutete. Laut seiner Aussage freue er sich auf bevorstehende Reisen und die Möglichkeit schöne private Momente mit seiner Frau und den beiden Jungs verbringen zu können. „Ich bin ja nicht aus der Welt und werde, wann immer es geht, auch am Bauplatz sein.“ Er sprach dem zukünftigen Vorstand zum Ende seiner Ansprache schon einmal das Vertrauen aus und betonte, dass die Gemeinschaft das Besondere sei und „wir sind alle eine große Familie.“ 
Neben Uwe Jesinghaus wurden zudem auch noch Stefan Bussmann und Inge Sukowski aus dem Vorstand verabschiedet. Ebenfalls zwei langjährige Mitstreiter, denen man für ihre geleistete Arbeit ein großes Dankeschön aussprach. 


Nun war es an der Zeit die Posten im Vorstand neu zu besetzen. Und dazu trat Peter Konze als Wahlleiter in Aktion. Er unterbreitete den Mitgliedern den Vorschlag, erstmalig in der Geschichte der KG „Im Dörnen“ eine Doppelspitze zu wählen. Hierfür schlug er Jörg Dunker und Petra Michelsen vor. Deren Wahl erfolgte einstimmig und somit war nach 36 Jahren die Ära Uwe Jesinghaus beendet, der Staffelstab übergeben.
 
Erstmalig in der Geschichte der Kirmesgruppe „Im Dörnen“ steht mit Jörg Dunker und Petra Michelsen ein Duo an deren Spitze. 

Desweiteren wurde Monika Bussmann zur Kassiererin bestimmt und Yvonne Dunker zu hrer Stellvertreterin. Das Amt der Schriftführerin legte man in die Hände von Marion Matthäi. Zum neuen Bauleiter wählte man Lars Dunker und Leonhard Kuhler übertrug man das Amt des Hüttenwarts. Für die Kleiderkammer weiterhin verantwortlich ist Angelika Jesinghaus, die aber mit Carola Metz dabei Unterstützung bekommt.

 
Neben den Wahlgän-gen wurden aktuelle Themen aus dem Ver-einsleben besprochen und organisatorische Abläufe abgestimmt. Ein weiterer zentraler Punkt war die Festle-gung eines Themas für den diesjährigen Kir-meszug. Hierfür gab es vier verschiedene Vorschläge, die von den einzelnen Ideengeber zunächst einmal erläutert wurden. Nach einem regen Austausch entschied sich die Kirmesgruppe „Im Dörnen“ für den Vorschlag ihrer frischgewählten Vorsitzenden Petra Michel-sen, bei dem weltbekannte, ikonische Figuren zum Leben erweckt werden, die für eine optimistische Einstellung und Abenteuergeist stehen. „Damit haben wir die Grundlage für die weitere Planung und Umsetzung geschaffen“, sagte der Vorsitzende direkt Jörg Dunker abschließend und leitete damit den geselligen Teil der Versammlung ein.                André Sicks