eigentlich nicht mit der Fassung. Bei
der Jahreshauptversammlung der Kirmesgruppe „Im Dörnen“ konnte
man bei ihrem Vorsitzenden dann doch das ein oder andere Träne
ausmachen. Der Grund dafür: Bei den turnusgemäßen Vorstandwahlen
trat er nicht noch einmal an. Nach sage und schreibe 36 Jahren sei es
nun an der Zeit, den Staffelstab in jüngere Hände zu legen, sagte
er und ließ erkennen, dass er mit dieser persönlichen Entscheidung
wahrlich im Reinen war.
Bevor
es jedoch soweit war, ließen die Kirmesaktiven noch einmal kurz das
vergangene Jahr Revue passieren, in dem der „Fluch der Karibik“
über ihnen lag. Was zur Folge hatte, dass man mir nichts, dir nichts
durch die Zeit ge-schleudert wurde. Zurück in jene Epoche, als
Piraten als Schrecken der Meere gefürchtet und als schlimmste
Verbrecher geächtet sowie verfolgt wurden. Dabei wurden sie Zeuge,
wie das paradiesische Leben des charman-ten Piratenkapitän Jack
Sparrow einen jähen Dämpfer erhielt. Für alle in Abenteuer, mit
Piratenflaggen, Schiffshaustieren, berühmt-berüchtigten Seeräubern
und einem stolzen Schiff namens „Black Pearl“, an dessen Ende die
Kirmesgruppe mit dem 3. Preis beim Gevelsberger Kirmeszug bedacht
wurde.
Was
folgte, war der wohl emotionalste Moment der Versammlung. Marion
„Önne“ Matthäi und ihre Schwester Dagmar Kuhler ergriffen das
Wort, um ein paar persönliche Worte an Uwe Jesinghaus zu richten.
Beide wurden sie in der Kirmesgruppe groß und haben „die ganze
Amtszeit“ von Uwe Jesinghaus als 1. Vorsitzender miterlebt, die am
17. Februar 1990 im Vereinslokal „Unter den Linden“ (Apfelbaum)
begann. „Du hast die KG `Im Dörnen` 36 Jahre mit Herzblut geführt
und nach außen hin würdig vertreten.“ In über drei Jahrzehnten,
so ergänzten das Damen-Duo, hätte das einstige Gesicht vom
Gevelsberger Ordnungsamtes stets dafür gesorgt, dass „unser
Brauchtum weiterlebt“ und dass das „Wir-Gefühl innerhalb der
Gruppe“ gestärkt wurde. Nicht zu vergessen, dass der 1.
Vorsitzende bekanntlich das Gesicht einer Truppe sei und damit große
Verantwortung trage, Nerven besitzen müsste und viel Freizeit
opfere. „Und dafür möchten wir Dir heute von ganzem Herzen Danke
sagen und Dir als Zeichen unserer Wertschätzung ein Präsent
überreichen. Sprachen sie dabei von einer Kleinigkeit, so entpuppte
sich diese als ein großer Präsentkorb mit etlichen Köstlichkeiten. Ebenfalls
dankten die Damen seiner Frau Angelika mit einem riesigen
Blumenstrauß, da diese über all die Jahre hinweg „ihrem Uwe“
den Rücken freigehalten hatte. Just in dem Moment als er etwas sagen
wollte, überreichten auch noch Klaus und Inge Buch, zwei der wohl
längsten Mitglieder der Kirmesgruppe, einem sichtlich gerührten Uwe
Jesinghaus ein persönliches Geschenk – die signifikanten Symbole
von Gevelsberg (Stadtwappen, Riesenrad und Harfe) aus Metall. Das
Schöne, so sagte Klaus Buch, sei die Tatsache, dass „Du nicht die
Gruppe verlässt, sondern nur den Amtsposten“. Daher würde sich
die ganze Kirmesgruppe auch freuen, dass man weiterhin gemeinsame
Kirmesfeste „als Freund und Mitglied.“ feiern könnte.
Neben
dem Präsentkorb von der gesamten Kirmesgruppe überreichte auch noch
Klaus Buch seinem Freund Uwe Jesinghaus ein ganz persönliches
Geschenk.
„In
jedem Ende steckt ein Anfang“, bedankte sich der 68-jährige bei
seiner Truppe. Ein Satz, der quasi sein Lebensmotto ist. Er erinnerte
sich daran, dass seine erfolgreiche Zeit als Kunstturner mit einem
zertrümmerten Fersenbein endete und er sich bei einem Motorradunfall
zwei Wirbel brach. Und das ausgerechnet in dem Jahr, als er seinen
1997 verstorbenen Vater Peter Jesinghaus als Vorsitzender beerbte.
„Zu der Versammlung musste ich damals im Rollstuhl geschoben
werden.“ Ein für ihn prägendes Ereignis, „wie auch dieser
jetzige Augenblick“, der eine neue Zeit einläutete. Laut seiner
Aussage freue er sich auf bevorstehende Reisen und die Möglichkeit
schöne private Momente mit seiner Frau und den beiden Jungs
verbringen zu können. „Ich bin ja nicht aus der Welt und werde,
wann immer es geht, auch am Bauplatz sein.“ Er sprach dem
zukünftigen Vorstand zum Ende seiner Ansprache schon einmal das
Vertrauen aus und betonte, dass die Gemeinschaft das Besondere sei
und „wir sind alle eine große Familie.“
Neben
Uwe Jesinghaus wurden zudem auch noch Stefan Bussmann und Inge
Sukowski aus dem Vorstand verabschiedet. Ebenfalls zwei langjährige
Mitstreiter, denen man für ihre geleistete Arbeit ein großes
Dankeschön aussprach.
Nun
war es an der Zeit die Posten im Vorstand neu zu besetzen. Und dazu
trat Peter Konze als Wahlleiter in Aktion. Er unterbreitete den
Mitgliedern den Vorschlag, erstmalig in der Geschichte der KG „Im
Dörnen“ eine Doppelspitze zu wählen. Hierfür schlug er Jörg
Dunker und Petra Michelsen vor. Deren Wahl erfolgte einstimmig und
somit war nach 36 Jahren die Ära Uwe Jesinghaus beendet, der
Staffelstab übergeben.
Erstmalig
in der Geschichte der Kirmesgruppe „Im Dörnen“ steht mit Jörg
Dunker und Petra
Michelsen ein Duo an
deren Spitze.
Desweiteren wurde Monika Bussmann zur
Kassiererin bestimmt und Yvonne Dunker zu hrer Stellvertreterin. Das
Amt der Schriftführerin legte man in die Hände von Marion Matthäi.
Zum neuen Bauleiter wählte man Lars Dunker und Leonhard Kuhler
übertrug man das Amt des Hüttenwarts. Für die Kleiderkammer
weiterhin verantwortlich ist Angelika Jesinghaus, die aber mit Carola
Metz dabei Unterstützung bekommt.
Neben
den Wahlgän-gen wurden aktuelle Themen aus dem Ver-einsleben
besprochen und organisatorische Abläufe abgestimmt. Ein weiterer
zentraler Punkt war die Festle-gung eines Themas für den diesjährigen
Kir-meszug. Hierfür gab es vier verschiedene Vorschläge, die von den
einzelnen Ideengeber zunächst einmal erläutert wurden. Nach einem
regen Austausch entschied sich die Kirmesgruppe „Im Dörnen“ für
den Vorschlag ihrer frischgewählten Vorsitzenden Petra Michel-sen,
bei dem weltbekannte, ikonische Figuren zum Leben erweckt werden, die
für eine optimistische Einstellung und Abenteuergeist stehen. „Damit
haben wir die Grundlage für die weitere Planung und Umsetzung
geschaffen“, sagte der Vorsitzende direkt Jörg Dunker abschließend
und leitete damit den geselligen Teil der Versammlung ein. André Sicks